Harri Stojka: Ein Rom in Paris
„Gipsy Jazz“, Werke von Ceija Stojka und Gedichte von Johann Mongo Stojka in der österreichischen Botschaft in Paris.
Etwa 500.000 Roma und Sinti wurden in den KZ der Nazis ermordet. Etwa 200 von ihnen lebten am Simmeringer Enkplatz 2 in Wien. 6 kamen aus Auschwitz-Birkenau zurück. Unter ihnen der Vater von Harri Stojka. Lange Zeit konnte und wollte er nicht über seine Erlebnisse sprechen, begegnete seinen Traumata mit Kunst. Er komponierte, schrieb Gedichte, auch ein Buch. Seinem Sohn Harri erlaubte er das zu machen, wovon dieser überzeugt war, Gitarre zu spielen bis die Finger rauchen. Ausgebildet von seinem Cousin Karl Ratzer wurde aus Harri Stojka ein Meister der Improvisation, einer der bekanntesten Jazzer in Österreich. Seine Gitarre spricht eine Sprache, die Jazz, Blues, Soul und Swing mit der uralten Musiktradition der Roma verwebt. Gemeinsam mit Claudius Jellinek hat er in der österreichischen Botschaft, anlässlich der Soirée die am Holocaust Gedenktag den Opfern der Shoah, insbesondere der Familie Stojka gewidmet war, musiziert, daran erinnert, dass seine Vorfahren durch die Hölle gegangen sind.
Dazu gehört auch seine Tante Ceija Stojka. Auch sie ist zurückgekommen. Auch sie hat die Traumata durch ihre Kreativität bewältigt. Mit 50 Jahren begann sie zu malen, Bücher zu schreiben. Ihre Werke wurden in der österreichischen Botschaft am „Holocaust Gedenktag“ gezeigt. Es war ein Auftakt zur Ausstellung im Kunsthistorischen Museum in Besançon Ende Februar. Etwa 100 Werke werden von ihr zu sehen sein.
Organisiert hat die Soirée die Direktorin des österreichischen Kulturforums in Paris Julia Thallinger mit ihrem Team. Es war ein Abend, der im besten Sinne gezeigt hat, was österreichische Kulturdiplomatie leisten kann. Das Interesse an der Geschichte der Familie Stojka war groß, das Interesse an deren künstlerischer Ausdruckskraft beeindruckend.
Übrigens: Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten und der Nationalfonds schreiben im Rahmen des Projekts „Erinnerung im Dialog“ zwei Forschungsaufenthalte für die Dauer von drei Monaten ab Mai 2026 aus. Sie können Teil des Projekts werden und sich bis 27. Februar 2026 bewerben. Und zwar für einen Aufenthalt in London und einen in Tel Aviv.
© Valerie Stojka
In der Podcast-Serie, „Kunst im Gespräch“, kommen im zweiwöchigen Rhythmus all jene Künstlerinnen und Künstler zu Wort, die durch ihre Zusammenarbeit mit österreichischen Kulturforen und Botschaften inspiriert wurden.
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