Carmen: Der Schrei nach Freiheit
„Carmen ist bestimmt das dunkelste, das gefährlichste und das grausamste Werk des kommenden Sommers“ prophezeite der mittlerweile beurlaubte Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser. Er sollte recht behalten.
Gleich zu Beginn zeigt sich, in welch toxischer Machowelt das Stück angesiedelt ist. Karg die Landschaft, dunkel das Bühnenbild, sadistisch manche Soldaten. Gleich zu Beginn verprügeln sie einen Zivilisten, geben Straßenkindern grausamsten Schießunterricht, lehren sie aufeinander zu schießen. Gabriela Carrizo zeichnet für Regie und Choreografie verantwortlich. Sie kommt vom Tanz. In Belgien prägte sie die Tanztheaterkompanie Peeping Tom. Das merkt man dieser Carmen, der Oper von Georges Bizet auch an.
Es ist kein Abend der leichtfüßigen E´le´gance; diese Inszenierung zeigt das Schwerblütige, das Überbedeutsame von Carmen, einer Carmen die ein Weltentwurf für eine emanzipierte Frau ist. Asmik Grigorian debütiert in dieser Carmen. Sie gibt die Carmen als erotischen Feuerkopf. Die Naturfrau verteidigt ihre Freiheit mit Attacken von springflutartiger Heftigkeit. Ihr toxisches Gegenüber demütigt sie mit höhnischen Tönen. Bisweilen entstößt sie sich diese im Parlando. Was für eine Stimme! Was für ein Weib. Ihr gegenüber Jonathan Tetelmann. Bei ihm durchdringen einander die Sphären von Gesang, Physis und Aktion. Manchmal wirkt das Piano des Tenors etwas rau und grobkörnig. Lyrisch passt er sich aber Micaela, gesungen von Kristina Mkhitaryan, an. In der Blumenarie wagt er ein Decrescendo auf dem hohen B. und seine heldischen Reserven mobilisiert er Aug in Aug mit seinem Rivalen Escamillo. Ihn gibt Davide Luciano.
Teodor Currentzis dirigiert sein Utopia Orchester sowie den Utopia Chor, ebenso den Bachchor Salzburg und den Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor. Wie immer geht er einen eigenwilligen Weg. Der Erfolg gibt ihm recht. Auch mit der Interpretation dieser dunklen Oper.
© SF/Thomas Aurin
Weiterführende Links:
https://www.salzburgerfestspiele.at/
https://wissensart.at/
Kommentare
Neuer Kommentar