00:00:01: Kunst
00:00:02: im Gespräch.
00:00:04: Im Zusammenarbeit mit der Auslandskultursektion, im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten.
00:00:12: Ich bin der Erster, der diese Klasse erreicht hat in der Schule, wo man sich den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs überhaupt anschaut – und anhört!
00:00:22: Und ich bin der erste, der danach gefragt hat.
00:00:26: Meine Eltern wussten natürlich ... was passiert ist und wo unsere Familie herkommt.
00:00:33: Aber das war ein Thema, was in dem Haus einfach nicht wirklich besprochen
00:00:38: wurde.".
00:00:39: Wie sich der Umgang mit den Verbrechen der Nationalsozialisten doch gereicht?
00:00:43: Nicht nur Opfer – auch Täter legten einen Mantel des Schweigens über die furchtbare Zeit während der Nazi-Herrschaft!
00:00:50: Nun hat die Auslandskultur im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten Erinnerung im Dialog initiiert.
00:01:00: Ein Projekt, das Sektionsleiterin Regina Russ im Kunst-im-Gespräch-Podcast vorstellt.
00:01:06: Vorangegangen ist das Buchprojekt Wehr & Österreich XV Stimmen.
00:01:11: Eine Stimme in diesem Buch ist die Stimme von Esse Kiel-Max.
00:01:15: Er ist ein junger Jude aus Argentinien, und es hat sich entschieden nach Wien zu gehen.
00:01:21: In den letzten Jahren konnte er das neue Jahr als österreichischer Staatsbürger begrüßen.
00:01:28: Herzlich willkommen bei Wissensat, dem Podcast der Wissenschaft und Kunstverein.
00:01:32: Heißt sie diese bitjuliane Nöstlinger bei einer neuen Folge von Erinnerung im Dialog mit Hannah Lessing, Helga Rabelstadler und Ezekiel Max, dessen Urgroßeltern aus Europa fliehen mussten?
00:01:46: Ezekiel Marx, Urkursmutter stammt aus Hamburg.
00:01:49: Sein Urkorsvater aus Wien.
00:01:52: Wie viele Juden bauten sie sich in Argentinien ein neues Leben auf – waren erfolgreich!
00:01:58: Ihre deutschsprachige Herkunft haben Sie jedoch nie vergessen.
00:02:02: Die Erzählungen über Wien haben die Neugierde von Ezekial beflügelt und nun ist er ein sogenannter Wiederösterreicher.
00:02:10: Seit Jahrzehnten können Nachkommens von Opfern des Nationalsozialismus gemäß Paragraph Achtundfünfzig-C, STPG die österreichische Staatsbürgerschaft wieder erlangen.
00:02:22: Vierfünfundvierzichttausend Personen haben seit der Entscheidung des Parlaments im Jahr zwei Tausendneunzehn diese Möglichkeit bereits ergriffen.
00:02:30: Eine Lessing-Vorständin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, aber vielen Verleihungen der österreichischen Staatsbürgerschaft an Nachfahren von Opfern des NationalSozialismus dabei!
00:02:46: Ich war in Luxemburg dabei, da habe ich es selber mit der Botschaft darin machen dürfen.
00:02:50: In Israel dabei kam eine Mutter mit drei Mädchen in weißen Spitzenkleidern.
00:02:57: Die Mädchen waren vier, sechs und sieben.
00:03:00: Es war reizend!
00:03:02: Es ist jedes Mal extrem emotional weil einfach es natürlich teilweise an den Holocaust und an das fürchterliche Sterben von Familienmitgliedern erinnert Aber eben auch diese späte ausgestreckte Hand, dass man auch wieder dazugehören kann und das so viele Leute überhaupt angenommen haben.
00:03:22: Das hat mich immer wieder berührt.
00:03:25: Aber am Ende wenn Sie den Pass in der Hand halten ist fast immer die gleiche Frage was würde meine Urgroßmutter oder mein Großvater darüber sagen, wenn ich heute wieder Österreicher wäre?
00:03:36: Was hätte Ihr Urgroßenvater dazu gesagt?
00:03:39: Dass mein Urgroßevater gesagt hätte Fällt mir schwer, mir vorzustellen.
00:03:44: Ich weiß aber zum Beispiel aus meiner Großtante gesagt hätte, denn sie wurde in Wien und ist von Wien nach Argentinien geflüchtet.
00:03:55: Ich habe sehr schöne Stunden mit ihr verbracht.
00:03:59: Sie hat mich die schönste Geschichte erzählt.
00:04:03: Und sie wäre ganz glücklich, dass ich hier lebe und hier
00:04:05: studiere.".
00:04:06: Die Zugehörigkeit zu einem Staat durch die Staatsbürgerschaft ist auch ein Stück Identität.
00:04:11: Wieder Österreicher können ihre herkömmliche Staatsbürgerschaft behalten.
00:04:16: Ist das vielen wieder Österreicherinnen und wieder Österreichern wichtig an der Lessing?
00:04:21: Ist dieser Akt auch ein Akt der
00:04:23: Versöhnung?".
00:04:24: Ich glaube solche Projekte sind ungeheilig.
00:04:28: wichtig, weil diesen Bogen zu spannen ist etwas so Schönes!
00:04:34: Wir haben im Nationalfonds uns mit den Überlebenden beschäftigt.
00:04:39: Wir haben uns im Entschädigungsfonds bereits mit den Nachfahren beschäftigt.
00:04:45: Im Nationalfonds haben die Überlebenden sehr rasch unseren Vertrauensvorschuss gegeben, die sind zu uns gekommen und haben sich bedankt bei uns dass wir ihnen endlich zuhören.
00:04:57: also es war beschämend eigentlich wie schön wir aufgenommen worden sind.
00:05:03: Beim Entschädigungsfonds, wo wir also mit den Nachfahren meistens mit der zweiten Generation gearbeitet haben waren sehr viele dabei die gesagt haben ja ihr habt meine Großeltern ermordet und jetzt habt sie gewartet dass meine Eltern sterben.
00:05:18: Und dabei sind dir auch im Exil gewesen und ihr wollt uns jetzt mit irgendwas abspeisen.
00:05:24: Erst in der dritten Generation ist wieder ein Sprung passiert nach ihren Wurzeln suchen.
00:05:34: Es gibt verschiedene Projekte, wo man aus Israel jugendlich hierher schickt.
00:05:39: aber wir haben in den letzten Jahren viel mit dieser dritten und teilweise schon vierten Generation zu tun gehabt und die sind ganz begeistert von Österreich.
00:05:50: also meistens ist es gar nicht zum eigentlich wollen dass die Eltern gar nicht weil die haben noch ein sehr schwieriges Verhältnis zur österreich.
00:05:59: Aber diese Jugendlichen sind sehr, sehr wichtig für uns.
00:06:03: Weil es einfach auch die Möglichkeit gibt einen Kreis zu schließen.
00:06:07: Ezekiel Marx auf die Frage ob seine Eltern mit seiner Entscheidung die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen einverstanden sind?
00:06:16: Ja ja nun habe ich ja immer daran gedacht im Ausland zu studieren nach Europa zu ziehen wegen verschiedenen Faktoren und Wien war ja der einzige richtige Wahl für mich.
00:06:27: trotz allem
00:06:28: Hat da die Liebe auch eine Rolle gespielt?
00:06:31: Dass er damals eine Rolle spielt, tatsächlich.
00:06:34: Ja es war nämlich die Entscheidung zwischen ja irgendwo in Deutschland vielleicht oder in Österreich und dann habe ich tatsächlich ein Mädchen aus Wien kennengelernt
00:06:43: Das österreichische Mädchen, haben Sie in Argentinien kennengelernt?
00:06:46: Nein.
00:06:46: Im Polen als Teil einer Reise.
00:06:49: Wir waren da auf eine Gedenkreise und wir haben uns eigentlich in der Nähe vom Auschwitz Birken auch kennengelernet auf dem Weg zum Matsch of the Living zu einer Gedenkveranstaltung.
00:07:01: Also hat sie diese Geschichte die dann auch zur Wiederannahme der österreichischen Staatsbürgerschaft geführt hat doch sehr geprägt.
00:07:12: Auf jeden Fall würde ich das behaupten, ja tatsächlich nachdem ich davon erfahren habe und nachdem auch mich mit den dreizehn Jahre alt entschlossen haben bei Mitzwar zu machen spielte meine Judiskeit eine zunehmend größere Rolle in meiner Identität.
00:07:30: Und ebenso meine Herkunft als Nachfahrer von österreichischen Juden, von deutschen und von österischem Juden Und die Erfahrung, die Recherche über meine Familie.
00:07:39: Die Gedenkreise das kennenlernen eine Person, die für mich sehr wichtig war und sehr wichtig wurde.
00:07:45: Alles hat eine entscheidende Rolle gespielt in meiner Entscheidung.
00:07:50: Haben Sie zuvor auch schon Deutsch gekonnt?
00:07:52: Ich hab... als ich mich entschlossen habe, dass ich hier sein wollte.
00:07:59: Als ich aber angekommen bin, konnte ich ja schon einiges.
00:08:03: Es war auch tatsächlich sehr leicht, einige zu lernen und ich konnte ja schon vieles verstehen, weil obwohl es nicht ... sprechen konnte, habe ich in meiner Kindheit von meiner Urgroßmutter oder meine Großdante oder auch von meinen Großeltern zum Teil viel Deutsch mitbekommen und ich bin davon überzeugt das hat wirklich dazu geholfen ist schnell zu lernen.
00:08:24: Nun was hat sie dazu bewogen die österreichische Staatsbürgerschaft als zweite Staatsbürgerschaft anzunehmen?
00:08:32: Da muss ich gleich einhacken, es ist die dritte Staatsbürgerschaft.
00:08:36: Deutscher bin ich seit dem Geburt, also deutscher Staatsbürger.
00:08:39: Durch
00:08:40: ihre Mutter?
00:08:40: Richtig
00:08:41: ja!
00:08:41: Richtig und auch weil Deutschland dieses Gesetz der Staatsbürerschaft nach einigen Generationen meines Wissens noch ein bisschen länger ermöglicht hat.
00:08:52: das mein Großvater bereits getan schon vor vielen Jahren.
00:08:57: Es war also nicht ... notwendig für das nach Europa zieren, die österreichische Staatsbürgerschaft zu beantragen.
00:09:05: Als EU-Staatsbürger hätte ich ja hier genauso gut studieren und leben können.
00:09:10: Tatsächlich habe ich davon erfahren dass dieses Gesetz beschlossen wurde als ich mit einer Bekannte von meiner Großmutter telefoniert habe, die in Österreich wohnt, die mir auch sehr geholfen hat, mit Informationen und einem herzlichen Empfang als ich hergezogen bin.
00:09:29: Und sie hat mir davon erzählt – und da habe ich darüber nachgedacht.
00:09:32: Ich fand es sehr gut!
00:09:35: Ich fand das gerecht.
00:09:37: Dann habe ich mich entschlossen, wenn ich schon in Österreich leben werde dann auch als österreichische Staatsbürger.
00:09:44: Warum nicht?
00:09:45: Hat die Annahme der österreichischen Staatsbürgerschaft in Ihrem Familienkreis Folgen getätigt?
00:09:53: Auf jeden Fall, ja.
00:09:54: Nicht nur ist mein Vater mich nach Wien besuchen kommen, sondern hat auch meine Oma, nachdem sie gehört und bestätigt hat, dass es mir sehr gut geht – auch die Staatsbürgerschaft zurückverlangt und Sie tatsächlich bekommen!
00:10:07: Wie planen Sie Ihre Zukunft?
00:10:10: ja fertig studieren, hoffentlich in der sehr baldigen Zukunft auch eine Realität und danach weiterhin in Österreich arbeiten.
00:10:20: Haben Sie da schon einen Plan was sie gerne machen möchten beruflich?
00:10:23: Ich habe ein paar Ideen, ja.
00:10:25: Derzeit bin ich noch für meine eigene Weiterentwicklung offen.
00:10:29: Was ich derzeit mache gefällt mir sehr Und seitdem ich auch Geschichte studiere, interessiere ich mich auch zunehmend dafür.
00:10:38: So dass es wahrscheinlich jetzt einen Master in Geschichtswissenschaften sein wird eher als Wirtschaft.
00:10:44: Möchten Sie in die Forschung gehen oder in die Privatwirtschaft?
00:10:47: Das kann ich jetzt nicht so genau beantworten.
00:10:51: Aber bisher habe ich sehr gut Tätigkeiten finden können, womit ich mich auch entwickelt habe und erfahren habe was mir gefällt.
00:10:59: also mache ich weiter so.
00:11:00: Und in zwei Jahren hab' ich gesehen eine konkretere Antwort.
00:11:03: wahrscheinlich
00:11:04: Sie sprechen zwei Sprachen?
00:11:05: Ich spreche eigentlich auch Englisch- und Portugiesisch.
00:11:08: Also vier Sprachen Ja vier Sprache Jebräische auch.
00:11:11: Nein.
00:11:11: nein das noch auf der Bucket List Möchte ich ja einmal noch lernen.
00:11:15: haben sie den Eindruck dass ihre Eltern noch starke ressorten Maus haben, den Österreicherinnen und Österreichern gegenüber?
00:11:24: Auf keinen Fall.
00:11:25: Aber nicht aus vielleicht dem Grund das alles vergessen und vergeben wurde sondern weil wie ich erwähnt habe war es ja... bis zu meinem achten Lebensjahr kein Thema und es war ja auch unter meinen Eltern oder unter meinen Großeltern, bis ich das mal erwähnt habe eigentlich nie ein Thema gewesen.
00:11:49: meine Urgroßeltern und das alles habe ich ja erfahren, nachdem ich wirklich gefragt habe.
00:11:54: Ich bin der Älteste von meinen Geschwistern und auch von meinen Kussinnen.
00:11:58: Ich hab ein klein, ein jungerer Brüder und ich hab sechs Cousins aber keiner ist älter als ich.
00:12:04: Ich war der Erste, der diese Klasse erreicht hat in der Schule wo man sich die Ereignisse uns seit dem Weltkrieg überhaupt anschaut und anhört.
00:12:14: Und ich bin der Erster, der danach gefragt hat.
00:12:16: Meine Eltern wussten natürlich, was passiert ist und wo unsere Familie halt so herkommt.
00:12:24: Aber das war ein Thema, was in dem Haus einfach nicht wirklich besprochen wurde.
00:12:30: Ich glaube nicht, dass meine Eltern überhaupt die Informationen gehabt haben oder das Interesse irgendwie ein Interessentimal.
00:12:38: aufzubauen und auch nicht meine Großeltern, die alle kurz nach der Vertreibung bereits in Buenos Aires geboren wurden.
00:12:46: Und umso schwieriger es hatten mit deren Eltern, die vertrieben wurden darüber zu
00:12:50: sprechen.".
00:12:54: Das
00:13:07: kann ich nur damit so abschätzen, was ich über deren Leben weiß.
00:13:12: Weil ich leider mit Ausnahme meine Urgroßmutter mütterlicherseits ... Die Omikler habe ich ja keine Erkennen lernen dürfen!
00:13:21: Ich weiß dass sie alle sofort sehr tüchtig wurden... Dass Sie alle Beschäftigung gefunden haben, Arbeit gefunden haben und schnell spanisch gelernt haben.
00:13:31: haben alles wirklich sehr tief und sehr schnell verdrängt.
00:13:36: Und begraben, und haben das Beste gemacht mit deren Leben einfach weiter zu
00:13:43: machen.".
00:13:44: Über meine Recherche habe ich Dinge erfahren, die natürlich ein bisschen von was anderes zeugen.
00:13:51: Ich weiß zum Beispiel dass der Großvater meiner Mutter lebenslang sich schuldig gefühlt hat weil sein Bruder im Holocaust umgekommen ist und er nach Argentinien Nachfolgen hätte sollen.
00:14:06: es ging es sich aber zeitlich dann nicht mehr Und er fühlte sich ja ständig zuständig, dass die nicht beide gleichzeitig, obwohl sie wenig Geld hatten dann aus Deutschland emigriert sind und das eher es sein dürfte.
00:14:20: Der überlebt hat uns ein Bruder nicht.
00:14:22: Das weiß ich aber nur aus späteren Gesprächen mit meinen Großeltern, die das auch nur vermuten weil gesagt haben hier meine Urgroßeltern explizit gar nichts.
00:14:31: und wie gesagt alle haben einen Vorles Leben mit relativem Erfolg.
00:14:35: Also innerhalb einer kurzen Zeit, nicht mal eine Generation haben alle meine Urgroßeltern Wohnungen oder Häuser gekauft sind Auto gefahren und haben einen Lebensstandard genossen das in Wien der zwanzig Jahren gar nicht vorzustellen war weil es ja gar nicht so fortgeschritten war in den Vorkriegsjahren.
00:14:55: Was haben Sie denn gemacht?
00:14:56: Also zum Beispiel mein Urgroßvater, der aufs Wien geflohen ist war hier Schneider- und Hemdensticker.
00:15:04: Und er hat ja teilweise auch aus Paris Mode hergebracht oder hatte Reisen nach Paris um sich Mode anzuschauen.
00:15:13: Die Geschwister waren auch damit also die Schwestern haben Dammenwäsche hergestellt und Kleider hergestellt nicht erfolgreich, soweit ich gelernt habe.
00:15:27: Aber in Argentinien hat er innerhalb von vier Jahren ein Geschäft in der besten Straße im Zentrumslager geöffnet, wo er Hände und Maske geschnitten hat.
00:15:35: Nach europäischer Art stand er draußen im
00:15:38: Geschäft.".
00:15:39: Was haben Ihre Augen gesprochen als Sie wen gesehen haben?
00:15:42: das erste Mal?
00:15:44: Das erste Mal habe ich Wien tatsächlich gesehen, als ich zum Besuch kam, weil hierher zu ziehen ohne die Stadt mindestens einmal gesehen zu haben wäre doch ein bisschen zu viel gewesen.
00:15:56: Es war herrlich!
00:15:57: Ich hab ihr Bild von allem gemacht.
00:15:59: also einfach aus der U-Bahn auszusteigen und ein bisschen... Die Straßen der Innenstadt entlangzugehen, das war für mich schon ein großartiges Erlebnis.
00:16:07: Wir haben natürlich auch ältere Gebäude in Argentinien und sehr schöne Palätze im Buenos Aires aber mit wenig zu vergleichen.
00:16:14: Und die Mentalität der Österreicherinnen und Österreichern hat Ihnen die sofort zugesagt?
00:16:20: Ja ich
00:16:21: habe
00:16:22: am Anfang bestimmte Sachen sehr begrüßt.
00:16:25: wir haben in Argentinen ein sehr schönes Land und eine sehr offene Gesellschaft Großzügig beschrieben auch ein bisschen chaotisch und ein bisschen unorganisiert, was man ja auch nicht als spontan beschreiben kann.
00:16:38: Kann mal ein bisschen müde machen.
00:16:41: das Problem gibt sie in Österreich zum Beispiel gar nicht und viele Dinge laufen einfach besser.
00:16:47: die Menschen haben mich bestens behandelt und ich habe sehr schnell Anschluss und Freunde gefunden.
00:16:52: Sind Sie in der jüdischen Gemeinde integriert?
00:16:55: Ja richtig!
00:16:56: Das haben Sie auch von Anfang an gesucht
00:16:58: Nicht spezifisch danach, aber die jüdische Grenze hat mich sehr geholfen.
00:17:03: Mich hier zu interrieren und dann bin ich auch verwunden geblieben und sehr gerne da involviert gebliefert.
00:17:09: Erzählen Sie mir ein bisschen wie so der Staat war?
00:17:12: Haben sie sofort an der WU zu studieren begonnen?
00:17:17: was haben sie gemacht?
00:17:18: Na ja zuerst musste ich mein Zivildienst leisten Das österreichische Staatsbürger, das habe ich bei der israelitischen Kultusgemeinde auch tatsächlich gemacht im Archivbereich in der Restitution.
00:17:31: Nur danach konnte ich auch nach Ablegen von einigen Abgleichsprüfungen damit ja meine Ausbildung zu den österreichisch gleichwertig wird endlich beginnen.
00:17:44: Ich studiere Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der WU und seit ein bisschen mehr als einem Jahr auch Geschichte an der Universität Wien.
00:17:54: Und Sie arbeiten nebenbei?
00:17:56: Richtig, ja ich bin für eine Privatsammlung im kuratorischen Bereich tätig.
00:18:01: Wie
00:18:01: ist Ihr Kontakt zur außerjüdischen österreichischen Bevölkerung?
00:18:07: Ich habe Freunde zur außerjüdischen österreichischen Bevölkerung, sogar mehr als ich in der österreichisch- jüdischen Bevölkerungen habe.
00:18:16: Ich fühle mich auch Teil dieser Bevölkerung.
00:18:20: Sie sind also wirklich als Österreicher angekommen?
00:18:23: Richtig ja und so fühle ich mich auch!
00:18:24: Sie werden in Österreich bleiben?
00:18:26: Voraussichtlich Ja.
00:18:27: Elgarabel Stadler ist nach ihrer langjährigen Präsidentschaft der Salzburger Festspiele unter anderem, Sonderberaterin im Außenministerium und hat sich auch für das Projekt Wir und Österreich eingesetzt.
00:18:40: Und dabei Alex Beuth kennengelernt.
00:18:43: Der Nachfahre von Siegmund Freud meinte er hätte viel mehr erhalten als nur einen österreichischen Pass.
00:18:50: Alex Beuth ist ein Urenkel vom Siegmund Freud, also ein Sohn des Malers.
00:18:58: Lucian O. Freud?
00:19:00: Man muss sich vorstellen der hat sich nie darum gekümmert, er war nie im Freithaus in Wien bis wir ihm die Staatsbürgerschaft gegeben haben und dann hat das sehr nachdenklich gesagt Ich habe mehr bekommen als einen Pass und der beschäftigt sich jetzt auch mit seinen Wurzeln.
00:19:23: Und wir können glücklich sein, wenn diese Menschen ihr Wissen wieder in unseren demokratischen Alltag
00:19:31: einbringen."
00:19:45: durfte.
00:19:46: Also für mich persönlich hat es mich verändert, nicht nur dass ich einen sinnvollen Beruf mache wo ich in der Früh aufstehe und mir denke okay ich mach was Sinnvolles aber eben auch das wir diese Menschen gezeigt haben wie schön das Leben sein kann auch unter schwierigen Umständen oder wenn man Schwieriges erlebt hat wie man damit umgeht, dass man trotzdem noch ein warmherziger Mensch sein kann und was mich natürlich immer wieder bei diesen Menschen fasziniert hat.
00:20:16: Ein Humor, also teilweise ein Galgenhumor zwar aber ein unglaublicher Humor und denen nicht zu verlieren ist auch sehr sehr wichtig im Leben.
00:20:26: Hat das Sie mit Ihrer eigenen Geschichte versöhnt?
00:20:29: Ja ich glaube schon!
00:20:30: Also meine eigene Geschichte ist ja eine gemischte Geschichte.
00:20:34: eben mein Vater ist ein Überlebender war im Exil in Palästina.
00:20:39: Meine Großmutter ist in Auschwitz ermordet worden, mehrere Familienmitglieder in Auswitz oder in Theresienstadt und auf der Seite meiner Mutter waren sie gut bürgerlich nicht jüdisch und meine Mutter war im Stab Schierach vom Balgo von Schierbach was ich die Fliegeralarm-Ansagerin ziemlich berühmt in Wien mit Kuckuck und dann ihre tiefe Stimme.
00:20:58: dieses Gemisch hat mir höchstwahrscheinlich also nicht unbedingt Versöhnung gegeben aber Es hat mir einfach gezeigt, wer bin ich um zu urteilen.
00:21:08: Ja jeder von uns und wenn ich viel an Schulen gehe sage ich immer wir haben immer eine Wahl.
00:21:13: aber die Wahl die jemand trifft kann ich nicht beurteilen.
00:21:17: Ich bin nicht in dieser Situation.
00:21:20: Wir wollen daraus lernen die richtige Wahl zu treffen in den Widerstand zu gehen.
00:21:24: Aber es sind nicht alles Heldinnen.
00:21:26: Ich hab die Kette Sasso kennengelernt, die ist mit sechzehn in einer Widerstandsgruppe gewesen und war in Ravungsbrück.
00:21:31: Die ist fast geköpft worden am Ländle ... Das weiß ich selber nicht!
00:21:36: Ich muss mich ja selbst auch hinterfragen.
00:21:38: Wäre ich so mutig gewesen?
00:21:40: Und wären den Widerkstand gegangen?
00:21:42: Ich weiß das nicht.
00:21:43: Daher hat die Geschichten beider meiner Eltern mir einfach beigebracht Es gibt nicht nur Schwarz, es gibt nicht Nur Weiß.
00:21:50: Es gibt viele Grauschartierungen.
00:21:52: Und die muss man auch.
00:22:03: Ich glaube, es ist gar nicht leicht in diesem Stimmenkaos heute das noch dazu von
00:22:11: brutal
00:22:13: nationalistischen Stimmen beherrscht wird diese Stimmen zu Gehör zu bringen.
00:22:21: Darum müssen hier alle demokratischen Mächte in Österreich zusammenwirken und gemeinsam mit den berührenden Geschichten derer, die das bei ihren Ahnen so schrecklich erfahren mussten eine neue Stimmung zu erzeugen.
00:22:41: Ich bin ganz optimistisch dass uns das gelingt.
00:22:44: Warum setzen Sie sich so dafür ein?
00:22:48: Weil mir die Demokratie in Österreich so wichtig ist Und weil ich mit Bangen zuschaue, was man heute alles schon sagen kann ohne dass die Menschen empört sind.
00:23:03: Der Nationalismus feiert in allen Ländern nicht nur beim schrecklichen Herrn Trump sondern selbstverständlich auch in Frankreich oder wie die deutschen Wahlen gezeigt haben in Deutschland und bei uns fröhliche Urständen.
00:23:21: Kunst leisten, was ist die Aufgabe der Kulturdiplomatie?
00:23:27: Ich
00:23:28: gebe der Kunst eine große Kraft.
00:23:32: Nicht weil die Künstler die gescheiteren Menschen sind oder sofort die besseren Antworten
00:23:39: haben
00:23:40: aber sie können beherrlich viele Fragen stellen und dann die Menschen zum Nachdenken bringen.
00:23:50: Das ist gerade heute besonders wichtig und ein Land wie Österreich, das nur kulturell noch eine gewisse Größe hat – ansonsten ja nach dem ersten Weltkrieg zum territorialem Zwerg geschrumpft ist!
00:24:09: Ist gut beraten wenn es die Kulturpolitik gleichrangig mit der Sicherheitspolitik als außenpolitisches Tool einsetzt.
00:24:22: Hannah Lessing haben sie Hoffnung, dass durch die Kunst und Musik wie zum Beispiel dem West ist dann die Warnorchester oder ähnlichen Initiativen die Gräben der Vergangenheit und jene dagegen wartüberwunden werden können?
00:24:36: Ich bin zurzeit eher pessimistisch was gar nicht zu meiner Persönlichkeit passt.
00:24:43: Aber man sagt ja so schön, ein Optimist ist ein schlecht informierter Pessimist.
00:24:47: Also das ist leider Faktum zur Zeit!
00:24:50: Wir haben wahnsinnig viele schöne verbindende Projekte keine Frage.
00:24:55: aber wenn man sieht was seit siebten Oktober in der Kunst passiert ist dass man Künstler auslädt, dass man Israel ausschließen will vom ISC und so weiter sehe ich das Leider diese schöne Brücke der Kunst der Musik wirklich auch wieder nur in kleinen Kreisen passiert.
00:25:17: Wir verstehen anscheinend nicht die Universalsprache der Musik, der Kunst und der Liebe.
00:25:23: Das klingt alles vielleicht pathetisch aber es ist so.
00:25:27: wenn wir uns nicht auf diese Werte wieder zurückbesinnen dann bin ich ziemlich pessimistisch leider.
00:25:34: Ich glaube wir müssen das einfach wirklich bei den jüngeren Menschen beginnen.
00:25:37: also ich gehe deswegen Auch immer wieder an Schulen mit Projekten, wo sie Filme machen können.
00:25:44: Ich bin Co-Vorsitzende der österreichischen Delegation zu Ira International Holocaust Remembrance Alliance und die Franzosen machen jetzt ein sehr schönes Projekt, wo Schüler gedenken aufarbeiten – mit ihren Tools!
00:25:56: Wir müssen einfach auch dieser Jugend die richtigen, nämlich ihre Mittel zur Verfügung stellen, die Sie mögen um etwas aufzuarbeiten weil ich glaube wir haben Irgendwo eine Generation dazwischen, die sich mit dem Thema sozusagen nicht mehr beschäftigen wird und die sich nicht über Kunst- und Musik damit auseinandersetzen werden.
00:26:17: Aber bei den Jungen da müssen wir ansetzen!
00:26:20: Wie wichtig sind die persönlichen Begegnungen?
00:26:23: Sie haben gesagt sie gehen immer wieder in Schulen.
00:26:26: Es ist bekannt dass Jugendliche sehr interessiert sind wenn Holocaust Überlebende zu ihnen kommen erzählen.
00:26:36: Aber junge Generationen haben natürlich ganz andere Tools, arbeiten mit KI.
00:26:42: Die KI ist so gut als wir sie speichern und sie wird natürlich auch gespeichert von Andersdenkenden im negativsten Sinne.
00:26:51: Wie glauben Sie kann man hier eine Erinnerungskultur etabliern die nicht das Falsche transportiert?
00:27:01: Also wir versuchen gerade auch im Nationalfond mit unserem Projekt Schwerpunkt eben zu schauen.
00:27:06: wie kann man Social Media, KI, Distortion also Verleugnung und besser kanalisieren und besser analysieren und verhindern.
00:27:16: Ich glaube noch immer dass der persönliche Kontakt das ist was funktioniert.
00:27:22: ich war jetzt in einer htl.
00:27:25: da waren sechzig Schüler Matura Schüler die ich gehabt habe.
00:27:29: Ich habe eine halbe Stunde gesprochen und dann hatten wir eine halb Stunden für Fragen.
00:27:34: In der Klasse waren sechs Muslimas, eine davon hat einfach alle sechs haben Kopf durchgetragen und eine hat mich so richtig böse die ganze Zeit angeschaut Und wie dann die Fragen waren, hat sie nach zehn Minuten aufgezeugt und ich habe so gesehen, wie die Lehrerin oder die Direktorin irgendwie im ersten Moment es verhindern wollten.
00:27:54: Ich hab gesagt na ja passt schon!
00:27:56: Sie hat mich dann bis sehr aggressiv gefragt Ja was halten Sie von Nathaniao und Gaza und was dort alles passiert?
00:28:03: Und ich habe sie angeschaut und habe mich einfach nur bei ihr bedankt und habe gesagt danke für diese Frage weil das ist ein Konflikt der viertausend Kilometer von hier entfernt ist der uns aber anscheinend wirklich berührt und betrifft.
00:28:17: Aber wir beide kennen einander nicht, du und ich haben keinen Konflikt.
00:28:21: daher können wir auch darüber ganz offen sprechen was wir vielleicht tun können.
00:28:26: das war unglaublich wie sehr dieses Mädchen dann wirklich drauf eingegangen ist.
00:28:32: Wir haben geredet und alle anderen waren einfach Angetan, weil es war eben nicht narrativ gegen Narrativ.
00:28:38: Und wenn du nur irgendetwas gegen Natanie aus sagst dann nenne ich dich Antisemitin?
00:28:42: Nein wir müssen wieder lernen miteinander zu reden!
00:28:45: Ich glaube seit der Pandemie, seit dieser besonderen Social Media Blase sind die menschlichen Beziehungen am vorigen Abhanden gekommen und daran glaub' ich noch immer am meisten dass ich auf eine Jugendliche zugehen kann und sagen komm.
00:28:59: jetzt setzen wir uns zusammen Anna Lessing,
00:29:05: die Vorstehenden des Nationalfoster Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus.
00:29:11: So wie Helga Rabil-Stadler und Ezequiel Marx bei Wissensart dem Podcast der Wissenschaft und Kunstverein über das Ende des Schweigens im Rahmen der Projekte Erinnerung in Dialog Und Wir
00:29:24: und Österreich.
00:29:25: Mir blieb immer in Erinnerungen seitdem ich mich mit dem Thema tiefer beschäftige als sich einmal Mit acht Jahren, nach dem Abendessen bei meinen Großeltern gesagt habe oder erzählt habe was ich in der Schule gelernt habe.
00:29:42: Nämlich hab' ich erzählt heute hab' Ich in der Schule halt erfahren dass Juden aus Europa und aus Deutschland vertrieben wurden Und im Holocaust auch ermordet wurden.
00:29:51: Und da haben meine Großelten gesagt Ja das waren wir!
00:29:53: Das waren unsere Eltern Wir sind ja deswegen
00:29:56: in Argentinien.