00:00:11: Ich will jetzt mal noch nicht die einzelnen Szenen verraten, was es da alles gibt.
00:00:15: Aber es gibt auf jeden Fall sehr lustige Hasen zum Beispiel...
00:00:19: Es gibt wie so Genres oder?
00:00:21: Es gibt Handpuppen!
00:00:22: Es gibt synchronisierte Szenens, es gibt kurische Szenene.
00:00:27: Manchmal wird etwas über Bewegung erklärt.
00:00:30: Also es sind eigentlich wie Genre, die sich auf die verschiedenen Tiertexte drauf
00:00:36: legen.
00:00:37: So ein bisschen so umgekehrt wie bei High-Age-Eins,
00:00:40: da
00:00:40: muss ich mal dran denken bei den Proben.
00:00:43: Da gibt es ja diese Szene wo die Mammutmutter sagt zu dem Mammurtkind du weißt doch die Menschen können nicht
00:00:49: sprechen
00:00:50: und da muss sich immer umgekehrt dran denken das wir jetzt uns demso umge kehrt annähern
00:00:55: dass wir im
00:00:56: Vitire jetzt sprechen.
00:01:01: Unter Tieren heißt der Stück von Elfride Jelinek, welches am Sonntag den sechzehnten August zwanzig sechsundzwanzig auf der Perner Insel in Hallein Uhr aufgeführt wird.
00:01:11: Nicola Stemann für Dreschee und Caroline Peters, Mavi Hörbiger sowie Sebastian Rudolf stehen mit anderen auf der Bühne.
00:01:20: Sie waren es auch die bei einem Presse-Terrassentok erste Einblicke in die Inszenierung gaben.
00:01:26: Hören sie nun Mabi Hörbinger und Caroline Peters.
00:01:29: In dem Text wird das Leid der Tiere natürlich beschrieben.
00:01:33: Vor allem der Schlachttiere.
00:01:34: Es gibt sehr anrührende Szenen z.B.
00:01:38: von Kuhenschwein die sozusagen vor ihrer Schlachtung beschreiben, was sie fühlen und denken.
00:01:44: Was mit ihnen auch passiert?
00:01:46: Und die finde ich auch sehr interessant und zum Rausnehmen so.
00:01:50: Also es ist wirklich tragisch.
00:01:53: Dass Sie intelligent genug sind zu verstehen, dass
00:01:55: Sie wahre sind...
00:01:56: ...dass Sie gar kein Recht auf Existenz haben sondern einfach Wahre sind!
00:02:13: Was vielleicht noch interessant ist, obwohl wir wirklich das auch richtig probiert haben.
00:02:19: Es gibt nicht richtig Dialog.
00:02:22: also
00:02:23: was man eigentlich machen sollte miteinander über etwas zu
00:02:26: sprechen
00:02:27: und dadurch Solidarität und Erkenntnis zu erzeugen, das fehlt.
00:02:33: Und sie beschreibt hier auch dieses selbst die Opfer in dem Sinne auch sich da wie teilweise freiwillig durch das System mit anstellen um verbrannt geschlachtet zu werden.
00:02:47: Das ist unheimlich berührend und traurig.
00:02:50: Dadurch gibt es dieses Miteinander innerweise nicht.
00:02:53: Wie auch, ist das Stück doch eine kritische humorvolle Abrechnung mit dem Finanzkapitalismus und mit Korruption der jüngsten Zeit.
00:03:01: Auch eine Abrechnung mit Benko und Peter Thiel?
00:03:04: Nicola Stemann
00:03:06: Ja teilweise zeigen wir das schon.
00:03:09: also es gibt durchaus auch mal so einen Benco oder mehrere Bencos die da lang laufen oder gibt auch ein Peter Thil.
00:03:15: Wir beziehen den auch mit ein, Peter Thiel.
00:03:18: Das hat ja bei dem Wiener Festwochen nicht geklappt, dass man ihn einlädt mitzumachen bei einem Kulturfestival, einen Theater- und Opernfestival.
00:03:26: Jetzt wollen wir noch mal den Versuch machen, ihn einzubeziehen.
00:03:30: Wir haben ihn eingeladen und schauen mal was passiert.
00:03:33: Es sieht eigentlich ganz gut aus, dass er auf irgendeine Art Teil der Inszenierung wird.
00:03:39: Und dann ist es aber immer wieder gut da nicht so konkret zu sein!
00:03:44: und das poetisch offen zu lassen, weil es dann ja doch um mehr geht.
00:03:48: Es spielt mit so was wie Kabarett irgendwie diese Form von Literatur aber es ist viel mehr, sehr wirklich Kunst.
00:03:56: Und so ist das auch, glaube ich, was wir da suchen auf der Bühne.
00:04:00: eine Kunstform die einerseits sich an so etwas tagespolitisches reinwirft und da keine Scheu hat vor billigen Gags oder irgendwelchen vielleicht wohlgeherpolitischen Poärnten.
00:04:14: Aber darum geht es nicht, es geht doch irgendwie glaube ich darum ja aufzugreifen.
00:04:20: Wie kann man eigentlich die Welt beschreiben heutzutage?
00:04:24: Nikola Stemann ist ein Elfriede Jeleneck-Spezialist der ersten Stunde.
00:04:29: In den letzten Jahren brachte er das Werk am Wienerburg Theater zur Uraufführung.
00:04:34: In dem Jahr wird diese Inszenierung zu den Salzburger Festspielen eingeladen.
00:04:39: Seither brachte der ehemalige Intendante Schauspielhauses Zürich über ein Dutzend Stück von Elfrieden Jelenneck auf die Bühne.
00:04:48: In dem Jahr hat Nikolaj Stehmann am Schauspiel Köln das Stück die Kontrakte des Kaufmanns, eine Wirtschaftskomödie zur Aufführung gebracht.
00:04:57: Damals reagierte Ilfriede Yellenek auf die globale Finanzkrise sowie auf österreichische Bankenskandale wie den Bavark und der Meindlbank-Skandal.
00:05:07: Sprachkritisch setzt sich Ilfrieder Yellenegg in diesem Stück mit den Mechanismen von Geld Geer, Kapitalismus und der Ohn macht von Kleinanlegern auseinander.
00:05:18: Unter Tieren sieht Nikola Stemann als Teil zwei dieser Wirtschaftskommödie.
00:05:24: Also wenn man sagt, das ist der zweite Teil nach der ersten Wirtschaftskommunik und was bisher geschah.
00:05:30: Interessanterweise alle diese Wirtschaftskandale haben irgendwelche Österreicher als Beteiligte also auch bei Wirecard und egal in welchem Land es jetzt stattfindet irgendwie sind da irgendwie die Österreicher glaube ich ganz clever oder ganz gut irgendwie in solchen Art von Betrügereien.
00:05:48: Und das glaube ich ist etwas, was Elfriede interessiert hat.
00:05:52: daran.
00:05:53: Und ja, dadurch dass das so in der Fauna endet und in diesem Posttuman hat man irgendwie den Eindruck, das System ist aber auch jetzt ganz schön an sein Ende gekommen.
00:06:05: Da gibt es diese zwei Abzweigungen.
00:06:07: Das eine ist eine Renaturalisierung Aber in einer komplett zerstörten kaputten Welt.
00:06:13: Was ist das für ein heißer Sommer?
00:06:14: Es wird auch erwähnt, der Weltenbrand wird entzündet und es gibt sehr viel Feuer in dem Stück.
00:06:20: Es endet mit einer großen Flut.
00:06:21: also die Natur übernimmt aber auf pervertierte Art und doch durchaus von Menschen irgendwie pervertierten Art.
00:06:29: Und das andere ist die Maschinenübernehmen.
00:06:31: Das sind ja beides Sachen wo wir unmittelbar an der Schwelle stehen.
00:06:35: trotzdem ist es ja gefährlich sich in so einen billigen Apokalyptismus gibt es das Wort, zu ergeben.
00:06:41: Das machen ja eben Leute wie Peter Thiel die die ganze Zeit mit Apokalipse irgendwie agieren.
00:06:46: aber wie ist es denn möglich da noch handlungsfähig zu bleiben und auch irgendwie zuversichtlich zu bleiben?
00:06:50: Und ich glaube dass ist ein Punkt an dem Jelinek eine Antwort, eine künstlerische Antwort versucht zu geben und da können wir nur versuchen daraus dann auch Theaterkunst zu machen also sehr mit dem Rücken an der Wand das auch ist.
00:07:06: Um all das auf der Bühne umzusetzen, hat sich Nicola Stemann viel einfallen lassen und greift dafür auch in die Trickkiste der KI.
00:07:14: Wenn es dem Publikum zu bunt wird kann er's wie schon bei der Urlesung im Burgtheater erprobt auf einen Trink hinausgehen und dann wieder in den Zuschauerraum zurückkommen.
00:07:25: Mavio Erbiger
00:07:26: Es ist wirklich ein gemeinsames Gefühl.
00:07:29: Das habe ich bei der Urlesung die Erfahrung gemacht, dass die Spielerinnen und Zuschauer erleben es gemeinsam.
00:07:36: Wir müssen alle zusammen jetzt durch.
00:07:39: Und das war auch wahnsinnig entlasten.
00:07:41: Auch ein echt schönes Erlebnis.
00:07:43: Also mal was ganz anderes.
00:07:45: Dazu muss man sagen ... Diese Urlesungen waren weitgehend ungeprobt.
00:07:50: In der dritten Probenwoche haben wir den Text gelesen Vorstellungen davon, was man vielleicht machen konnte.
00:07:58: Aber es war überhaupt nicht
00:07:59: inszeniert.".
00:08:00: Das hat ganz gut geklappt!
00:08:01: Das ist auch tatsächlich sehr gut aufgenommen worden.
00:08:04: und jetzt stellt sich also die Frage wie inszenieren wir das jetzt?
00:08:07: Oder dass ja auch schön mein Text auswendig zu lernen.
00:08:10: Das heißt dann ist das aber in der Stelle klar wer den Text spricht.
00:08:13: Das ist keine offene Jam-Session mehr.
00:08:16: Und wie überführt man diese Form wirkliche Inszenierung?
00:08:19: Das ist der Punkt an dem wir im Moment gerade sind und wo wir mal schauen, wie wir da hinkommen.
00:08:23: Also hätten wir vielleicht besser.
00:08:26: Zum Zeitpunkt des Terrasentalks hatte Nikolas Stehmann mit den Schauspielern noch nicht die Musik-Einsätze geprobt.
00:08:33: Nikolaus Stehmmann ist der selbst Musiker und er wird auftreten und spielen, welches Instrument ist noch ungewiss?
00:08:41: Na ja, die Musik das ist wie ein Film meiner Stücke Thomas Kürsner, Sebastian Vogel Die beiden Musiker, mit denen ich schon seit Jahrzehnten eng zusammen arbeite.
00:08:50: Ich werde auch auf der Bühne sein und auch da irgendwie mit musizieren.
00:08:55: Ja, da komme wieder zu der Frage wie kriegt man die Dinge verstehbar oder auf welcher Ebene.
00:09:01: Also dieses erste Lautlesen.
00:09:04: Da erinnere ich an so einen Moment als wir auf der Probebühne waren und man wirklich so denkt ist das kompliziert?
00:09:09: Und dann setzt sie mir ins Klavier und schlag ein Ton an und auf einmal es ist wow!
00:09:13: Es wird irgendwie zur Musik und es kriecht eine andere Ebene und es öffnet Denkräume.
00:09:17: und arbeiten wir viel.
00:09:19: Also wie verlängert sich der Text in Musik, wie hilft die Musik dem Text irgendwie auf eine andere Ebene zu rücken?
00:09:26: Und dieses Text Happening – was wir hoffen, dass es wird – irgendwie auf der Perner Insel hat dann eben auch etwas sehr musikalisches, hat durchaus auch reviewartige Anteile.
00:09:37: So und letztendlich ist das glaube ich das.
00:09:40: Ich habe früher immer gesagt und kann nicht immer noch sagen, ich verstehe die Texten von Eschreder-Lehrnig mit dem Knie so frei nach Josef Boyz.
00:09:47: Also wie schafft man das Sinnlichkeit einziehen zu lassen, die nicht nur im rationalen Verstehen liegt?
00:09:53: Weil da sind die Texte gar nicht angesiedelt.
00:09:55: Also Ephride kokettiert ja auch immer damit dass sie sagt Sie ist so dumm.
00:09:59: also weil ich sage mal Ephrin muss wissen Ich bin zu dumm für deine Texte und man sieht Ja!
00:10:02: Da treffen wir uns doch Das ist doch super!
00:10:05: Da ist natürlich viel Koketterie.
00:10:06: aber ich glaube schon Dass also ein philosophischer Text wäre eben anders Und dass es eben einen Versuch philosophisch zu schreiben der aber extrem künstlerisch ist und das wird dann was Sinnliches.
00:10:15: Es wird poesie.
00:10:20: Wie gesagt, am sechzehnten August, neunzehn Uhr auf der Halle einer Pernerinsel
00:10:25: ist
00:10:26: die Primäre von Untertieren.
00:10:28: Und am achtzehndten August spreche ich mit Nikola Stemann und Caroline Peters in der Aula der Universität Salzburg in der Hofstallgasse ab elfunddreißig über die Uraufführung des neuesten Stückes der Nobelpreisträgerin Elfrieda Jelenek.
00:10:45: Auf bald sagt Elisabeth Juliane Nöstlinger.