wissensART

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00:00:00:

00:00:04: In Wirklichkeit hab ich nie dran gedacht, ein Buch zu schreiben.

00:00:08: Susanne Kohn hat die Halbschwester von Thomas Bernhardt.

00:00:11: Ich hab gedacht, ihr musst das mal für meine Tochter aufschreiben, weil das sicher für sie interessant ist was den Thomas anbelangt und die ganze Familiengeschichte.

00:00:21: Weil sie da ja vieles nicht wusste und auch nicht weiß.

00:00:26: Und der Ausschlag war wirklich dann ... Das Zusammentreffen mit dem Nikola Schmaler und dass man ein Buch machen könnte, ohne Fotos wie es so üblich ist von der Wiege bis ... Ja.

00:00:41: Und einfach nur diese Zeichnungen die wir halt besonders gut gefallen haben oder immer noch gefallen.

00:00:49: Ich hab eben Spaß halber zu mir einen Maler gesagt, das sollten ein Buch zusammenmachen.

00:00:55: Hab's dann auch später wieder zurückgenommen Und sechs Wochen später hat er mir aber dann Zeichnungen geschickt und so hat es dann angefangen.

00:01:05: Nur diese drei Wochen in Tore Molinos, das war für ein Buch zu wenig.

00:01:10: Und irgendein Heftel sollt ihr nicht werden?

00:01:13: Und irgendwie bin ich schon auf den Geschmack gekommen auch.

00:01:19: Dann habe ich Gott sei Dank den Herrn Mittermeyer dazu bringen können, dass er mit mir den zweiten Teil des Buches macht, also ein Gespräch.

00:01:31: Herzlich willkommen bei Wissensamtstem Podcast.

00:01:33: der Wissenschaft und Kunstverein.

00:01:35: heißen Sie dieser Petjuliane Nöstlinger und Susanne Kohn.

00:01:39: Der Anlass das Buch drei Wochen mit Thomas Bernhardt in Torremolinos erschienen im Korrekturverlag.

00:01:50: Thomas Bernardt einer der größten Dichter der österreichischen Nachkriegsliteratur war ein schwieriger Mensch.

00:01:56: Vor fünfundneinzig Jahren, genau gesagt am neunten Februar nineteenhundertdreißig wurde er in Helen in den Niederlanden als nicht eheliches Kind geboren.

00:02:07: Seine Mutter Hertha Bernhardt, Tochter des Salzburger Schriftstellers Johannes Freundbüchler war in dieser Stadt als Haushaltshilfe tätig – es war kein leichtes Leben das sie führte.

00:02:19: Im Herbst schickte Hertha Bernhardt ihren Sohn Thomas zu ihren Eltern nach Wien.

00:02:25: Dort liebte er mit seinen Großeltern mütterlicherseits im sechzehnten Wiener gemeindebezirbt.

00:02:31: Die schlechte finanzielle Situation veranlasste seine Großelter-Ninzehntundunddreißig, gemeinsam mit dem damals vierjährigen Thomas von Wien nach der Kirche am Wallasee zu ziehen – das war ganz in der Nähe des Geburtsortes seines Großvaters in Händorf.

00:02:50: Für Thomas Bernhards brach die glücklichste Zeit seines Lebens an.

00:02:57: In den Kirchen der Wiener Friseur gesellten Emil Fabian.

00:03:01: Sie übersiedelten in Oberbayern, von dem sie nach Traunstein besiedelte.

00:03:06: Dort wurde von Thomas Bernhards Halbpuder Peter und seine Halbschwester Susanne geboren.

00:03:17: Sie trat im Winter, mit dem schwerkranken Thomas Bernhard seine letzte Reise nach Spanien an.

00:03:26: In ihrem Buch Drei Wochen in Torremolinos erzielt sie davon.

00:03:30: In unserem Gespräch geht sie weit darüber hinaus.

00:03:33: Erzählt über ihr eigenes Leben und die Stellung der Frauen im Hause Freundbichler, im Haus des herrischen Großvaters und zur Beziehung zu ihrem Halbbruder.

00:03:42: Thomas Bernardt.

00:03:44: Mit einem Mädchen konnte wahrscheinlich nicht viel anfangen, dann war ich ja neun Jahre jünger und der Peter um sieben Jahre.

00:03:52: Aber immerhin war er eben auch ein Puppe und dann ging es für ihn aber bewusst.

00:03:59: in Wahr genommen habe ich dann praktisch wie er gar nicht mehr zu Hause war.

00:04:04: Er war ja auch lange Zeit eben in der Lungenheilstätte.

00:04:07: Einmal dort, einmal da – er war viel außer Haus!

00:04:10: Er war gar nicht so viel da.

00:04:11: Hat ihn das auch zum Einzelgänger gemacht?

00:04:16: Oder war es dass Chemie Thomas Bernhardt sich zurückziehen musste um schreiben zu können?

00:04:24: Naja ich habe mal zu meinem Bruder gesagt, Peter, der Großvater war der große Seelenzerstörer und er hat dann gemeint Ja, der Thomas hat es anders gesagt.

00:04:37: Wir sind alle schwierige Charaktere.

00:04:39: Wobei ich das für mich nur in geringem Maß glaube.

00:04:44: also was mich anbelangt weil ich auch nicht so wichtig war.

00:04:48: man konnte mich nicht so zerstören im Grunde genommen.

00:04:52: Vielleicht auch?

00:04:53: Weil Susanne Kohn im Alter von neun Jahren mit einem Kindertransport nach Saragossa verschickt wurde.

00:04:59: Organisiert wurde diese Verschickung für Kriegs- und Nachkriegskinder.

00:05:05: Also das Wort verschickt, auf das habe ich bestanden.

00:05:08: Man ist wirklich wie ein Paket verschickt worden.

00:05:12: Meine Eltern wussten zwar in welche Stadt ich komme in Spanien aber nicht zu welcher Familie und es hat mich im Nachhinein schon irritiert weil die Mutter hat die schlechtesten Erfahrungen gemacht damit auch verschickt oder es hat geheißen also eine Art Ferienaufenthalt und in Wirklichkeit hat sie nur arbeiten müssen.

00:05:37: Das hätte mir in Spanien genauso passieren können, man weiß nicht wer diese Eltern sind und dann elf Monate das erste mal elf Monate dort zu verbringen und die Eltern wissen nicht bei wem er ist.

00:05:50: Das ist eigentlich schon ein bisschen seltsam.

00:05:55: Zu wem sie kommen, wussten auch Sie nicht.

00:05:58: Zwei Familien haben ja dann um Sie geworben?

00:06:01: Ja

00:06:02: ich hab blonde dicke Zöpfe gehabt und blaue Augen.

00:06:06: Das hat wahrscheinlich schon viel ausgemacht Und die beiden Familien haben seit lang gebraucht bis es sich einig waren wer mich bekommt.

00:06:15: Was da ausschlaggebend war das weiß ich nicht Da war ich nicht dabei.

00:06:20: Wann sind Sie glücklich in dieser Familie?

00:06:22: Ich war sehr glücklich.

00:06:24: Ich war am Anfang sehr reserviert und Mutter gegenüber, ich glaube das kommt auch daher, ich habe ja eine Mutter gehabt und plötzlich war sie sozusagen meine Mutter und sie war so überfür sorglich.

00:06:37: Das hab' ich überhaupt nicht gekannt von zu Hause.

00:06:40: Das ist mir irgendwie auf den Erfen gegangen.

00:06:43: Wenn wir über die Straße gegangen sind, sie hat mich am Arm gepackt und da habe ich gemerkt, sie zittert Und da habe ich dann immer abgewartet, wenn es soweit war, dass meine Straße überklären mussten.

00:06:55: Dann bin ich losgerannt und sie ist natürlich ziemlich erschrocken.

00:07:00: Das sind halt so Dinge die machen Kinder gern glaube ich.

00:07:04: Aber ich habe sie dann wirklich auch gerne mögen.

00:07:07: Sie waren unglaublich liebenswürdig zu mir.

00:07:10: Es waren zwar nur erwachsene Kinder da Aber in der Nachbarschaft hat es dann schon Kinder gegeben, mit denen ich spielen konnte.

00:07:19: Und sie waren sehr fürsorglich wirklich und mir hat einfach diese spanische Lebensart.

00:07:25: die hat mich schon begeistert.

00:07:28: Die Sprache muss ich sagen, die Sprache.

00:07:31: Weil ich die Sprach so gern mag, weiß nicht ob man das sagen kann habe ich mir auch die Sprachen gemerkt.

00:07:39: Ich meine, das ist jetzt ... Das war neunundvierzig, fünfzig.

00:07:43: Und ich konnte immer noch Spanisch.

00:07:45: Ich kann es auch jetzt.

00:07:46: Sie macht zwar einen spanischen Kurs, damit ich das ein bisschen perfektionieren kann.

00:07:52: Weil das was ich mir gemerkt habe, dass sie so Kinder-Spanisch da ist.

00:07:56: Das war Kabola nicht allzu groß!

00:07:58: Ich bewundere es Sie.

00:07:59: Ich hab gehört, dass Sie jetzt wieder spanish?

00:08:02: Ja, ich mache einen spanische Kurs.

00:08:05: Ist sehr schwierig muss ich sagen.

00:08:08: Ich habe mich nicht so schwer vorgestellt, es sind immer mehr Ausnahmen von den Regeln.

00:08:13: Also man muss sehr viel auswendig lernen und in meinem Alter merkt man sich das nicht mehr so.

00:08:21: Aber es ist ein gutes Training fürs Gehirn?

00:08:23: Ich mache's einfach gern!

00:08:25: Ja ja natürlich is besser als jedes Gehirntraining.

00:08:29: Es gibt ja so kurze Gedächtnistraining.

00:08:32: Ich mach's halt und lerne nebenbei noch Spanisch.

00:08:35: Chapeau, chapeau!

00:08:36: Wie Sie zurückgekommen sind war Ihr Bruder bereits achtzehn Jahre alt.

00:08:41: Das ist ja doch auch eine sehr prägende Zeit für beide Geschwister.

00:08:46: Ihre Mutter war verstorben sie konnten sich nicht mehr verabschieden also ein sehr dramatisches Erlebnis für so ein junges Mädchen.

00:08:55: War Ihr Bruder damals eine Bezugsperson?

00:08:59: Also muss ich sagen, ich war zweimal in Spanien.

00:09:02: Zwischen den beiden Verschickungen wenn ich dabei bleiben kann waren acht Monate.

00:09:08: Ich war acht Monate zu Hause.

00:09:10: meine Mutter war damals schon betläglich und ... Ich habe eigentlich alles mitbekommen, was mit ihr so los war.

00:09:17: Die Schmerzen und sie waren verwirrt.

00:09:20: man konnte nicht mehr wirklich mit ihr reden Aufgrund

00:09:23: der Medikation wegen der Krebserkrankung.

00:09:27: Beim zweiten Mal, wie ich zurückgekommen bin, war die Mutter ja schon lange tot.

00:09:31: Also ich habe das erst erfahren kurz bevor ich zurückgefahren bin und wenn ich heim kommen bin, waren mein Vater da und meine beiden Brüder also die Großmutter, die war schon weg, die ist nach Händorf gezogen und meine beide Brüde Thomas und Peter, also ja... Ich war so verzagt und die haben sich heute ihre Späße mit mir gemacht Und der Vater, muss ich sagen.

00:09:55: Die erste Zeit hat er sich sehr bemüht.

00:09:57: Er wollte mich beschützen wahrscheinlich auch vor den beiden Brüdern und war eine Zeit lang verständnisvoll und wirklich auch liebevoll zu mir.

00:10:07: aber das hat er nicht durchhalten können.

00:10:10: Ich glaube er konnte mit einem Dierender wie man gesagt hat bei uns einfach nichts anfangen.

00:10:15: Die Familiengeschichte von Thomas Bernhardt ist nicht einfach zu erzählen.

00:10:20: Zu verworren sind die Umstände zu dramatisch der Einzelschicksale der Familienmitglieder.

00:10:25: Geprägt hat sie der Großvater Johannes Frauenbichler, ein österreichischer Heimatschriftsteller, dem beruhm Zeitlebens versagt geblieben ist.

00:10:35: Er setzte sich aber für das Talent seines Enkelkindes Thomas ein.

00:10:40: Für den Thomas hat sich das einerseits sehr positiv ausgewirkt Weil der Großvater und auch die Grossmutter haben ihn wirklich ernst genommen.

00:10:49: Sie haben auch versucht, ihn zu fördern.

00:10:52: Aber in späterer Folge, wenn ich drüber nachdenke ... Der Großväter war der Bestimmende also er hat alles bestimmt Und so wie der Großväter mit seiner Tochter umgegangen ist und die Mutter dann mit dem Tom ausdozieht sich schon eine sehr negative Linie durch.

00:11:11: Kein Wunder, dass schwierige Charaktere dieser Familienkonstellation entsprungen sind.

00:11:17: Haben sie darunter gelitten?

00:11:19: Also wenn es jetzt meinen unter dem Großvater gelitten ist und keinesfalls ich habe das alles nur sehr komisch gefunden was dafür ein wie ich geschrieben hab im Buch einen Primarium mit ihm gemacht wurde.

00:11:31: also das war für mich eigentlich nur seltsam aber später dann.

00:11:36: Ich bin mit dem Thomas sehr gut zurechtgekommen noch in jungen Jahren.

00:11:40: Er hat mich ja öfter besucht, wie ich nicht mehr zu Hause war aber je bekannter er geworden ist dann wurde es für mich immer schwieriger weil ich einfach ... Ja ich habe in einem ganz anderen Umfeld gelebt und ich hab immer Angst gehabt.

00:11:54: ich mach was falsch oder einfach... Ich sag was Verkehrtes.

00:11:59: die Angst war immer da aber bewundert habe ich ihn sowieso.

00:12:04: Ich habe den Thomas wirklich sehr gerne mögen, was er sagen kann.

00:12:08: So in jungen Jahren hatte ich so ein Anflug von Verliebtheit.

00:12:13: Der Thomas war für mich einfach gern gehabt.

00:12:17: Später kam großer Respekt dazu und die Sorge etwas verkehrt zu machen – Die Zuneigung Aber blieb.

00:12:24: Das war wohl eine Grundvoraussetzung für die Reise mit Thomas Bernhardt in den Süden.

00:12:29: Krankheitsbedingt flüchtete er in den Wintermonaten entweder nach Portugal oder nach Spanien.

00:12:36: Gegen Ende seines Lebens sollte es Toro Molinos sein, so seine Kohn begleitete

00:12:42: ihn."

00:12:44: Praktischer Mensch.

00:12:46: Ich kann unglaublich gut improvisieren, weil ich das erleben lang musste.

00:12:50: Ich habe kein Geld gehabt oder sehr wenig und dann muss man heute schauen, muss sich was einfallen

00:12:56: lassen.".

00:12:57: Und es hat auch dem Thomas sehr imponiert!

00:12:59: Weil ich ihm oft helfen konnte so spontan in irgendeiner Situation wo er nicht im Stande war dazu da ist mir immer etwas eingefallen und das hat ihm glaube ich ganz gut gefallen.

00:13:10: Drei Wochen lang hat Susanne Kohn ihr Improvisationstalent im Süden Spaniens unter Beweis gestellt, Launen ertragen und ihre Ängste nicht gezeigt.

00:13:20: Die Flugangst beispielsweise oder die Angst in einen Lift steigen zu müssen erst recht die Angst aus einem Fenster eines hochgelegenen Stockwerks zu blicken.

00:13:30: Da war der Druck so groß bei mir dass ich ihm das auch gesagt habe, ich kann so hoch nicht wohnen also im neunten Stock.

00:13:38: Es gab aber noch andere Hürden für Thomas Bernhard und Susanne Kohn, die mitten in der Nacht aus Österreich kommend in Torremolinos in das Hotel am Strand eincheckten.

00:13:48: Wer hätte mir gerne gehabt, dass sie die Koffer nach oben bringen?

00:13:51: Die haben dann gesagt, No Service!

00:13:53: Und dann war man selber zuständig.

00:13:55: Und ich habe Thomas gleich gesagt, Thomas da heroben kann nicht wohnen.

00:13:59: Ich hab immer das Gefühl wenn es so hoch oben bin, das Haus gibt... ...ich kann auch auf keinen Balkon gehen, der frei

00:14:05: steht.".

00:14:07: Da hat er überhaupt nichts dagegen gehabt.

00:14:08: Ich war dann im zweiten Stock und da Thomas im neunten, weil er sich sehr wohl gefühlt oben.

00:14:15: Nur das hatte einen Nachteil für mich gehabt, dass ich halt sehr weit hinauf gehabt habe und lüft fahren wollte auch nicht.

00:14:22: Ich weiß nicht woher bei mir die vielen Ängste kommen?

00:14:25: Die Höhenangst und Flugangst vor mehr Angst mit dem Schiff unterwegs sind.

00:14:32: Das wäre gar nix für mich!

00:14:34: höchstens irgendein Badl-Botismus.

00:14:36: Das Gefühl, ich kann noch

00:14:38: zurückschwimmen.".

00:14:38: Aber das geht natürlich dann bei großen Schiffen immer.

00:14:42: Offenbar sind Sie eine gute Schwimmerin und schwimmen gerne?

00:14:45: Sie ist Senior Thomas Bernhard zuliebe auch in den Swimmingpool gegangen, obwohl er eiskalt war um ihm die Freude zu machen sie nochmal schwimmen zu sehen.

00:14:55: Dass

00:14:55: es so kalt ist, das wusste ich vorher nicht.

00:14:58: Und ich schwimm gern bin immer gern geschwommen Und der Thomas sagt, ich kann nicht mehr schwimmen gehen.

00:15:05: Also bitte das musst du für mich

00:15:06: machen.".

00:15:08: Dass er mir zuschaut war natürlich klar, wenn er mal nicht zugeschaut hätte, wäre ich schleunigst wieder raus aus dem Wasser.

00:15:14: Das hat nur zwölf- dreizehn Grad gehabt und es war schon sehr, sehr kalt.

00:15:20: aber durch die Konzentration um nicht unterzugehen in dem eiskalten Wasser bin ich so regelmäßig geschwommen.

00:15:28: und anscheinend schön dass der Thomas eben gemeint hat Ich habe noch nie einen Menschen so schön schwimmen gesehen, was mir natürlich dann im Nachhinein sehr gefreut hat.

00:15:38: Sie

00:15:38: haben sehr viel gemacht für Ihren Bruder Thomas?

00:15:41: Ich war froh wenn ich etwas tun konnte für ihn, wenn man mir das erlaubt hat weil von mir aus habe mich da nicht vordrängen können.

00:15:50: Ich hab immer nur das gemacht, dass man sich von mir gewünscht hat oder mir zugestanden hat.

00:15:56: Manchmal ging Susanne Kuhn dabei über ihre Grenzen, zum Beispiel als Thomas Bernhard mit ihr Schuhe kaufen ging.

00:16:03: Na ja schuhe kaufen das war erstmal etwas was er immer gern gemacht hat, war auch eine Möglichkeit sich wieder irgendwo hinzusetzen und auszurasten.

00:16:13: und naja wenn die Schwester dabei ist dann kriegt sie eben auch Schuhen aber nicht die die ich wollte.

00:16:19: also die habe mir nicht ich mehr ausgesucht sondern die hat eher bestimmt weil ich hab drauf geschaut Sind sie straßentauglich?

00:16:27: Wie lang halten die Schuhe, kann man auch im Schnee gehen oder wenn es regnet im Sommer?

00:16:34: und das war für ihn kein Kriterium.

00:16:36: Er hat heute die besten Schuhen ausgesucht.

00:16:40: ich hätte gar nicht gewusst dass sowas gibt so besonderes Lieder und die waren sicher dementsprechend teuer.

00:16:47: aber das hat dann keine Rolle für ihn gespielt

00:16:50: mit Absatz

00:16:51: Ein kleiner Absatz, ja.

00:16:53: Aber der Schub war an sich ziemlich altmodisch.

00:16:55: da hat er sicher auch noch lustig gemacht drüber.

00:16:58: Das war sehr hart und das war die Art und Weise wie er oft mit Menschen umgegangen ist speziell wenn man zu dritt war.

00:17:06: eine oder einer war dann des Opfer.

00:17:09: in dem Fall war ich das Opfer das einzige das zur Stelle war.

00:17:14: Warum er das gebraucht hat, weiß ich nicht.

00:17:16: Er hat einen dann wirklich sekirt.

00:17:18: Ich glaube, er wollte einfach wissen, wenn er solche Dinge gemacht hat wie steht der Mensch zu mir?

00:17:24: Was kommt zurück?

00:17:25: Werder sich oder werder sich nicht?

00:17:27: Das war in irgendeiner Weise – ich bild mir das ein eine versteckte Ort von Liebeswerben!

00:17:34: Was kommt da jetzt raus

00:17:36: dabei?".

00:17:37: Denn dass er mich davor führt vor dem ganzen Personal und das für mich unangenehm ist, hat er sicher gewusst.

00:17:45: Und ich habe aber nicht sofort reagiert – Ich war so was nicht gewohnt!

00:17:49: Ich hab es von anderen bemerkt, dass er das machte, aber mit mir hat er's noch nie gemacht vorher.

00:17:55: Da war immer ein anderes Opfer zur Stelle und ich bin gut davon gekommen.

00:18:00: Aber diesmal hat sie eben mich betroffen Und ich hab mir dann wirklich gedacht, also drei Wochen.

00:18:05: Es war ja ganz am Anfang Aushalten zur Art und Weise.

00:18:09: Das hätte auch sicher so weitergemacht.

00:18:11: Das war für mich unmöglich.

00:18:14: Irgendwie habe ich anscheinend meinen Mond zusammengenommen ... und hab ihm gesagt, dass ich nicht bleibe, dass sich nach Hause fliege.

00:18:22: Und das hat ihn erschüttert?

00:18:24: Ja, im Augenblick hat er es ja gar nicht ernst genommen.

00:18:27: Er hat gar nicht reagiert drauf.

00:18:29: Das war am Abend und am nächsten Tag in der Früh ist er dann im Zimmer erschienen... ...und hat eben gemeint nach hast ich wieder beruhigt, hat er gesagt.

00:18:38: Dann habe ihm gesagt dass ich mich nicht beruhigte, dass ich's ernst gemeint hab.

00:18:43: Das habe ich dann schon gemerkt.

00:18:44: also da hatte er große Angst gehabt.

00:18:46: Der hat es auch ernst genommen.

00:18:49: Das wäre aber für ihn eine Katastrophe gewesen und für mich im Nachhinein gesehen auch, wenn das wirklich gemacht hätte.

00:18:57: Es hätte man nie im Leben verzeihen können.

00:18:59: Aber das habe ich Gott sei Dank verstanden!

00:19:01: Ich muss

00:19:02: bleiben!".

00:19:03: Susanne Kohn hätte es sich nie verziehen, den nach Atemringenden halb oder allein zurückzulassen – sie machte mit ihm auch kleinere Busreisen.

00:19:12: Es war insofern schwierig.

00:19:14: Er hat immer noch Luft gerungen, wir sitzen im Bus und er hat immer das Fenster aufgemacht Und der Herr, der hinter ihm gesessen ist, hat es wieder zugemacht.

00:19:23: Auch dieses Nachvorgehen im Bus wenn man aussteigen will Das ist für jeden irgendwie schwierig Muss man schauen dass man sich irgendwo anhalten kann.

00:19:32: Für ihn war's vielleicht noch schwieriger.

00:19:35: Einmal ist es ja passiert Dass man dann bei der Haltestelle durchgefahren sind Und dann bin ich halt doch zum Busfahrer dann endlich nach vor und hab dem Glück gemacht, dass wir aussteigen müssen.

00:19:48: Der hat uns dann auch aussteigend lassen, nur waren wir sehr weit vom Hotel weg auf jeden Fall zu weit um zur Fuß zurückzugehen.

00:19:56: Noch dazu auf der anderen Straßenseite und eine Schnellstrasse ging durch?

00:20:02: Wir mussten die beiden Fahrbahnen überqueren, dass mir an ein Taxi kommen.

00:20:07: Wie das geklappt hat, weiß ich eigentlich gar nicht mehr.

00:20:09: Aber vielleicht ist zufällig ganz vorbei gefahren?

00:20:12: Weil telefonieren war ja nichts so.

00:20:14: damals gab es kein Handy.

00:20:16: Da war er schon auch in irgendeiner Weise fürsorglich.

00:20:20: Er hat mich unterm Arm genommen und gehalten und gesagt wenn's geht also wenn die Bahn frei ist Und wenn ich los hab dann gehen wir los Laufen wir los.

00:20:29: Also von laufen waren natürlich keine Rede aber wir haben es geschafft.

00:20:33: Dann musste mir aber die Mittelleitschene überqueren Und das war auch ein bisschen anstrengend und dann aufpassen, dass einem nicht die Zehen von der anderen Seite wegfahren werden.

00:20:44: Die zweite Fahrbahn haben wir auch noch

00:20:46: geschafft.".

00:20:48: Was bleibt im Rückblick von dieser Reise?

00:20:50: An Erinnerung?

00:20:51: Es war sehr schwierig – sehr fordern für mich aber eine wirklich besonders wichtige und schöne Begegnung mit dem Thomas weil ich Dinge an ihm feststellen konnte.

00:21:05: Das habe ich ihm nicht zugetraut.

00:21:07: Er war manchmal eben ein ganz, ganz normaler Mensch am Ende seines Lebens, dem es nicht gut geht und er hat einmal gesagt also wenn man ganz groß ist dann darf man auch einmal klein sein.

00:21:22: Er hat jedem im Hotel erzählen wollen oder hat zu mir gesagt – Ich muss Ihnen sagen wer er is'.

00:21:28: dem Zimmermädchen, dem Kellner.

00:21:31: Das war für mich ganz komisch weil ich mir gedacht habe einerseits will er in ein Hotel wo er ganz anonym ist das ihn keine Journalisten aufstöbern aber so die ganzen normalen Leute da wollte plötzlich dass die alle wissen dass ja ein großer Dichter

00:21:47: ist.".

00:21:47: Zu seinem fünfundneinzigsten Geburtstag ist es wieder filmbewusst geworden auch wie sie erfählt.

00:21:54: Zu seinem Todestag am zwölften Februar ist der nächste Podcast mit Susanne Kohn, der Halbschwester von Thomas Bernhardt bei Wissensart dem Podcast der Wissenschaft und Kunstverein zu hören.

00:22:06: Mir ist einfach auch klar geworden was ich für ein interessantes Leben gehabt habe in der Nähe vom Thomas.

00:22:13: Wer konnte mit ihm drei Wochen zusammen sein?

00:22:17: Mehr über diese Geschwisterbeziehung hören Sie also am zwölften Februar.

00:22:21: Ebenso ein Gespräch mit dem Germanisten Manfred Mitermeier, der ein ausgewiesener Thomas Bernhardt-Kennner

00:22:28: ist.

00:22:29: Da gibt es in diesen beiden Seiten auf der einen Seite die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Werk Thomas Bernhards aber auch auf der anderen Seite auch einen Teil meines Lebens, der mir sehr wichtig ist.

00:22:39: Auf Malt sagt Elisabeth Julianen Nöstlänger

Über diesen Podcast

wissensART der Podcast, der Wissenschaft und Kunst vereint

von und mit Elisabeth J. Nöstlinger

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